Antibiotika-Therapie in der Kritik – Für virale Infekte werden unnötig scharfe Geschütze aufgefahren

Zwei aktuelle Studien werfen den Ärzten einen fahrlässigen Umgang mit den Keimkillern vor. Fast 30% der Antibiotikagaben seien mit Blick auf die Diagnose fragwürdig, so äußerte sich die DAK.

Reserveantibiotika als Routinemedikamente !

Erfreulicherweise stellten die Autoren im Studienzeitraum abnehmenden Antibiotikaverbrauch fest, bei Kindern bis 14 Jahre und bei Menschen über 70 Jahre. Die Ärzte verordnen seltener Basispenicilline, dafür aber vermehrt Cephalosporine und Fluorchinolone. Beide Substanzgruppen gelten als Reserveantibiotika, diese sind an der Entstehung multiresistenter Erreger beteiligt. Es wurden 3100 Menschen zur Antibiotikatherapie befragt, ein Drittel davon hatten im vergangenen Jahr mind. einmal ein Antibiotikum eingenommen. Als Grund gaben 25% eine Bronchitis, 20% eine Erkältung und 15% Husten an. Dabei wurden Antibiotika offensichtlich bei viral verursachten Infekten der oberen Atemwege, Husten, Bronchitis, nicht eitrige Otitis media und Sinusitis rezeptiert. Ursache meint der DAK-Report ist die schwere Erkältungswelle im langen Winter.

Fast ein Drittel der Rezepte sind unnötig !

Waren 2010 18% der Verordnungen aufgrund der Diagnose fragwürdig, stieg der Wert bis 2013 um 10% an. Fast 30% aller Rezepte waren unnötig, lautet die Aussage der DAK. Den Hauptanteil an ambulanten  Antibiotika-Verordnungen sind mit 62% durch Hausärzte und 6% durch Kinderärzte erfolgt.

Quelle: Medical Tribune – 49.Jahrgang – 7.November 2014 – S.17